Vertragsübersetzung Deutschland ➔ UK: Neue Anforderungen nach dem Brexit
Seit dem Brexit gelten für deutsche Unternehmen im UK-Geschäft neue rechtliche Rahmenbedingungen. Verträge müssen nicht nur sprachlich korrekt übersetzt, sondern auch an das englische Common Law angepasst werden. Fehlerhafte Übersetzungen können zu kostspieligen Rechtsstreitigkeiten vor britischen Gerichten führen – ein Haftungsrisiko, das Sie durch professionelle Fachübersetzung vermeiden.
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Warum sich nach dem Brexit alles geändert hat
Mit dem Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union entfiel die automatische Anerkennung von EU-Rechtsinstrumenten. Die Rom I-Verordnung zur Bestimmung des anwendbaren Rechts gilt nicht mehr unmittelbar. Gerichtsstandsvereinbarungen und Choice of Law-Klauseln müssen neu bewertet werden. Für deutsche Unternehmen bedeutet dies: Verträge mit UK-Geschäftspartnern erfordern eine präzise Übersetzung durch Fachübersetzer mit nachweisbarer Common Law-Expertise – nach ISO 17100 zertifiziert und von deutschen Gerichten anerkannt.
Neue rechtliche Anforderungen seit dem Brexit
Das Trade and Cooperation Agreement (TCA) zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich regelt seit dem 1. Januar 2021 die Handelsbeziehungen. Für Vertragsübersetzungen ergeben sich daraus weitreichende Konsequenzen:
- Die automatische Anerkennung von EU-Gerichtsurteilen in UK entfällt – Vollstreckung erfordert zusätzliche Verfahrensschritte
- Das Haager Übereinkommen über Gerichtsstandsvereinbarungen ersetzt teilweise die Brüssel Ia-Verordnung
- Choice of Law-Klauseln werden kritischer: UK-Gerichte wenden eigene Kollisionsnormen an
- Beglaubigte Übersetzungen für UK-Gerichtsverfahren müssen von Certified Translators angefertigt werden
- Öffentliche Urkunden benötigen eine Apostille nach dem Haager Apostille-Übereinkommen
Für Kanzleien, die deutsche Mandanten in UK-Rechtsstreitigkeiten vertreten, bedeutet dies einen erhöhten Aufwand bei der Dokumentenvorbereitung. Gerichtlich vereidigte Übersetzer mit Kenntnis beider Rechtssysteme sind unerlässlich, um Haftungsrisiken zu minimieren und Verfahrensverzögerungen zu vermeiden.
Praxishinweis für Kanzleien
Bei Verfahren vor englischen Gerichten (High Court, County Court) werden Übersetzungen deutscher Vertragsdokumente regelmäßig als Expert Evidence eingestuft. Der Übersetzer kann zur Aussage geladen werden. Achten Sie auf Übersetzer mit nachweisbarer Qualifikation und Professional Indemnity Insurance.
Welche Verträge Sie übersetzen lassen sollten
Nicht jeder Vertrag erfordert eine beglaubigte Übersetzung. Die Anforderungen hängen vom Verwendungszweck ab. Für den laufenden Geschäftsverkehr genügt häufig eine Fachübersetzung nach ISO 17100. Für Gerichtsverfahren oder behördliche Einreichungen ist eine amtlich beglaubigte Übersetzung durch einen gerichtlich vereidigten Übersetzer erforderlich.
Kritische Vertragstypen für UK-Geschäfte
| Vertragstyp | Englische Bezeichnung | Übersetzungsanforderung |
|---|---|---|
| Liefervertrag / Rahmenvertrag | Supply Agreement / Framework Agreement | Fachübersetzung, bei Streit beglaubigt |
| Handelsvertretervertrag | Commercial Agency Agreement | Fachübersetzung mit Hinweis auf Commercial Agents Regulations |
| Vertriebsvertrag | Distribution Agreement | Fachübersetzung |
| Joint-Venture-Vertrag | Joint Venture Agreement | Beglaubigte Übersetzung empfohlen |
| Geheimhaltungsvereinbarung | Non-Disclosure Agreement (NDA) | Fachübersetzung |
| Allgemeine Geschäftsbedingungen | Terms and Conditions | Fachübersetzung mit Anpassung an Consumer Rights Act |
Häufig benötigte Dokumente für UK-Geschäfte
Allgemeine Geschäftsbedingungen
Anpassung an UK Consumer Rights Act und Unfair Contract Terms Act
Jetzt übersetzen →NDA / Geheimhaltungsvereinbarung
Common Law-konforme Formulierung von Confidentiality Obligations
Jetzt übersetzen →Handelsregisterauszug
Erforderlich für Eintragung bei Companies House oder Geschäftspartnerprüfung
Jetzt übersetzen →Common Law vs. Civil Law: Kritische Unterschiede bei der Übersetzung
Die fundamentalen Unterschiede zwischen dem deutschen Zivilrecht (Civil Law) und dem englischen Common Law stellen Übersetzer vor besondere Herausforderungen. Eine wörtliche Übersetzung kann zu gravierenden rechtlichen Fehlinterpretationen führen.
Zentrale Unterschiede mit Übersetzungsrelevanz
Consideration-Doktrin
Im englischen Recht ist ein Vertrag nur wirksam, wenn beide Parteien eine Consideration (Gegenleistung) erbringen. Das deutsche Konzept des einseitig verpflichtenden Vertrags existiert nicht. Bei der Übersetzung muss auf diese Besonderheit hingewiesen werden.
Warranties vs. Gewährleistung
Die deutsche Gewährleistung nach §§ 434 ff. BGB entspricht nicht dem englischen Warranty-Begriff. Englische Verträge unterscheiden zwischen Conditions, Warranties und Innominate Terms – mit unterschiedlichen Rechtsfolgen bei Verletzung.
Entire Agreement Clause
Diese im englischen Recht übliche Klausel schließt mündliche Nebenabreden aus. Im deutschen Recht wäre eine solche Klausel nach § 305c BGB möglicherweise unwirksam. Übersetzer müssen diese Diskrepanz kennen und gegebenenfalls annotieren.
Übersetzungsfallen bei Standardklauseln
| Deutscher Begriff | Falsche Übersetzung | Korrekte Übersetzung / Anmerkung |
|---|---|---|
| Geschäftsführer (GmbH) | CEO | Managing Director (mit Erläuterung der Vertretungsbefugnis) |
| Haftungsbeschränkung | Limitation of Liability | Prüfung auf Vereinbarkeit mit Unfair Contract Terms Act 1977 |
| Vertragsstrafe | Penalty Clause | Liquidated Damages (Penalties sind im Common Law nichtig) |
| Gerichtsstand | Jurisdiction | Exclusive Jurisdiction Clause (mit Verweis auf Haager Übereinkommen) |
| Rechtswahl | Choice of Law | Governing Law Clause (unter Beachtung der UK-Kollisionsnormen) |
Wichtiger Hinweis zu Haftungsklauseln
Deutsche Haftungsbeschränkungsklauseln können nach dem Unfair Contract Terms Act 1977 und dem Consumer Rights Act 2015 in UK unwirksam sein. Insbesondere der Ausschluss der Haftung für Death or Personal Injury durch Negligence ist nichtig. Eine bloße Übersetzung ohne rechtliche Prüfung kann Ihr Unternehmen erheblichen Risiken aussetzen.
Der Übersetzungsprozess für UK-Verträge
Bei Juristra folgen wir einem strukturierten Prozess, der die Besonderheiten grenzüberschreitender Vertragsübersetzungen berücksichtigt. Alle Übersetzer verfügen über nachweisbare Expertise im Common Law und sind nach ISO 17100 zertifiziert.
Juristische Vorprüfung
Analyse des deutschen Vertrags auf kritische Klauseln, die bei der Übersetzung besondere Beachtung erfordern. Identifikation von Begriffen ohne direktes Äquivalent im englischen Recht.
Fachübersetzer-Zuweisung
Zuweisung an einen gerichtlich vereidigten Übersetzer mit Common Law-Expertise. Bei Bedarf Native Speaker mit juristischer Ausbildung in England & Wales.
Terminologie-Abstimmung
Bei umfangreichen Verträgen oder Rahmenvereinbarungen: Erstellung eines projektspezifischen Glossars. Abstimmung mit Ihrer Rechtsabteilung auf Wunsch möglich.
Übersetzung und Vier-Augen-Prinzip
Fachübersetzung durch den zugewiesenen Übersetzer. Anschließende Revision durch einen zweiten Fachübersetzer gemäß ISO 17100.
Beglaubigung und Zustellung
Amtliche Beglaubigung durch den gerichtlich vereidigten Übersetzer. Zustellung als PDF per E-Mail sowie Original mit Stempel und Siegel per Post.
Optional: Legal Review durch UK Solicitor
Für hochwertige Transaktionen oder komplexe Vertragswerke bieten wir in Kooperation mit einer Partnerkanzlei in London eine rechtliche Prüfung der übersetzten Dokumente an. Der Legal Review umfasst eine Bewertung der Durchsetzbarkeit nach englischem Recht. Sprechen Sie uns für ein individuelles Angebot an.
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Typische Fallstricke bei UK-Vertragsübersetzungen vermeiden
Aus unserer Erfahrung mit hunderten von Vertragsübersetzungen zwischen Deutschland und UK kennen wir die häufigsten Fehlerquellen. Die folgenden Punkte sollten Sie bei jeder Übersetzung beachten:
Haftungsbeschränkungen im UK-Recht
Deutsche Haftungsausschlüsse für leichte Fahrlässigkeit sind im UK häufig nicht durchsetzbar. Der Unfair Contract Terms Act 1977 setzt enge Grenzen. Insbesondere in B2C-Verhältnissen nach dem Consumer Rights Act 2015 sind viele deutsche Standardklauseln unwirksam. Eine Übersetzung muss diese Unterschiede berücksichtigen und gegebenenfalls Anmerkungen enthalten.
DSGVO vs. UK GDPR
Seit dem Brexit gilt im Vereinigten Königreich die UK GDPR (UK General Data Protection Regulation) in Verbindung mit dem Data Protection Act 2018. Obwohl weitgehend deckungsgleich mit der EU-DSGVO, bestehen Unterschiede bei der Aufsichtsbehörde (ICO statt nationale Datenschutzbehörde) und bei internationalen Datentransfers. Vertragsklauseln zum Datenschutz müssen entsprechend angepasst werden.
Währung und Zahlungsbedingungen
Achten Sie bei der Übersetzung auf korrekte Währungsangaben. Seit dem Brexit ist das Pfund Sterling (GBP) für UK-Transaktionen Standard. Zahlungsbedingungen sollten den Late Payment of Commercial Debts (Interest) Act 1998 berücksichtigen, der automatische Verzugszinsen vorsieht.
Lieferbedingungen und Incoterms
Für Warenlieferungen nach UK gelten seit dem Brexit Zollformalitäten. Die Incoterms 2020 sollten entsprechend angepasst werden. DDP (Delivered Duty Paid) beispielsweise bedeutet nun, dass der deutsche Verkäufer UK-Einfuhrzölle trägt. Diese Implikationen müssen bei der Vertragsübersetzung berücksichtigt werden.
- Prüfen Sie Haftungsklauseln auf Vereinbarkeit mit UK Unfair Contract Terms Act
- Aktualisieren Sie Datenschutzklauseln auf UK GDPR-Konformität
- Klären Sie Währung und Zahlungsbedingungen vor der Übersetzung
- Passen Sie Incoterms an die Post-Brexit-Zollsituation an
- Vermeiden Sie Penalty Clauses – nutzen Sie Liquidated Damages
Häufige Fragen zu UK-Vertragsübersetzungen nach dem Brexit
Für den regulären Geschäftsverkehr genügt in der Regel eine Fachübersetzung nach ISO 17100. Eine amtlich beglaubigte Übersetzung durch einen gerichtlich vereidigten Übersetzer ist erforderlich, wenn der Vertrag bei britischen Gerichten oder Behörden eingereicht werden soll – etwa bei Rechtsstreitigkeiten vor dem High Court oder bei Eintragungen im Companies House. Für öffentliche Urkunden wie Handelsregisterauszüge ist zusätzlich eine Apostille nach dem Haager Übereinkommen erforderlich.
Grundsätzlich ja. Auch nach dem Brexit akzeptieren britische Gerichte eine Rechtswahl zugunsten deutschen Rechts in internationalen Handelsverträgen. Die UK wenden eigene Kollisionsnormen an, die der Rom I-Verordnung ähneln. Zu beachten ist jedoch: Die Durchsetzung eines deutschen Urteils in UK ist seit dem Brexit aufwendiger geworden. Das Haager Übereinkommen über Gerichtsstandsvereinbarungen von 2005 erleichtert die Anerkennung, wenn eine ausschließliche Gerichtsstandsklausel vereinbart wurde.
Die Bearbeitungszeit hängt vom Umfang und der Komplexität des Vertrags ab. Für einen Rahmenvertrag von 20 Seiten beträgt die Standardlieferzeit 5–7 Werktage. Ein Express-Service mit Lieferung innerhalb von 48 Stunden ist gegen Aufpreis verfügbar. Bei komplexen Vertragswerken mit umfangreichen Anhängen oder der Notwendigkeit eines Legal Review durch einen UK Solicitor sollten Sie 10–14 Werktage einplanen.
Unsere Fachübersetzer für UK-Verträge sind gerichtlich vereidigte Übersetzer mit nachweisbarer Expertise im Common Law. Viele sind Native Speaker mit juristischer Ausbildung in England & Wales oder Mitglieder des Institute of Translation and Interpreting (ITI) bzw. des Chartered Institute of Linguists (CIoL). Alle Übersetzer arbeiten nach ISO 17100 und verfügen über eine Professional Indemnity Insurance.
Unsere Kernleistung ist die Fachübersetzung. Bei der Übersetzung weisen unsere Übersetzer auf kritische Stellen hin, die möglicherweise im UK-Recht anders zu bewerten sind – etwa Haftungsklauseln oder Vertragsstrafen. Eine vollständige rechtliche Anpassung (Localisation) des Vertrags an das englische Recht bieten wir in Kooperation mit einer Partnerkanzlei in London an. Kontaktieren Sie uns für ein individuelles Angebot zu diesem Service.
Weitere relevante Dokumente für UK-Geschäftsbeziehungen
Datenschutzerklärung
Anpassung an UK GDPR und Data Protection Act 2018. Erforderlich für Websites und Apps mit UK-Nutzern.
Vollmacht
Übersetzung von Powers of Attorney für Vertretung vor UK-Behörden oder bei Immobilientransaktionen.
Geschäftsbericht
Für UK-Investoren, Due Diligence-Verfahren oder Eintragungen bei der Financial Conduct Authority (FCA).
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